VMware vSphere Lizenzierung – Der Weg durch den Lizenz-Dschungel

Letzte Aktualisierung: 17.09.2019
Bild eines Dschungel - VMware Lizenzdschungel lichtenFoto von Dale de Vera auf Unsplash

VMware vSphere und VMware vCenter werden als einzelne Editionen und als Bundles angeboten. Die Editionen unterscheiden sich funktional und lizenzrechtlich. Durch optimale Lizenzierung lassen sich Kosten reduzieren, beispielsweise mit vSphere ROBO beim Einsatz in Niederlassungen und Filialen.

Übersicht der VMware Lizenzierung

Am bekanntesten dürfte die CPU-Lizenzierung der einzelnen vSphere-Editionen und der vSphere Acceleration Kits sein. Man schaut sich die Hardware aller vSphere Hosts an und zählt deren CPUs zusammen. Die Summe muss lizenziert werden. Es gibt aber noch weitere Lizenz-Metriken. Bei den vSphere Essentials Kits werden ganze Server (Hosts) gezählt, bei vSphere ROBO (vSphere Remote Office Branch Office) zählen allein die virtuellen Maschinen (VM) und bei vSphere Desktop (für VDI) werden angeschaltete virtuelle Desktops gerechnet.

Eine Besonderheit bei fast allen VMware Lizenzen und Produkten ist der obligatorische vSphere Support (SnS). Bei jeder Lizenz-Neubestellung muss mindestens eine Jahr Basic Support mitbestellt werden. Eine Verlängerungspflicht besteht nicht, ist aber empfehlenswert. Nur mit aktiver SnS sind Updates und Downgrades möglich.

  • Lizenzierung nach Prozessor: vSphere Einzellizenzen und Acceleration Kit Bundles.
  • Lizenzierung nach Instanz: vCenter Server.
  • Lizenzierung nach Server: vSphere Essentials Kit Bundles.
  • Lizenzierung nach VM: vSphere ROBO.
  • Lizenzierung nach virtuellen Desktops: vSphere Desktop.

Lizenzierung von vSphere 6

Beginnen wir mit den vSphere Editionen Standard, Enterprise Plus und Platinum. Alle drei Editionen werden als Einzellizenzen (CPU-Lizenz/Prozessor-Lizenz) ohne vCenter Server angeboten. Bei der Lizenzierung nach Prozessoren werden physikalische CPUs/Prozessoren aller vSphere Hosts gezählt und lizenziert. Andere Hardware-Merkmale wie Prozessorkerne oder RAM werden nicht betrachtet.

  • Lizenziert wird nach Prozessoren. Jede Lizenz deckt einen Prozessor ab.
  • Andere Merkmale wie RAM, Cores, Anzahl virtueller Maschinen werden nicht berücksichtigt.
  • vCenter Server ist nicht enthalten.
  • Die CPUs aller vSphere Host werden addiert. Die Summe entspricht der Anzahl benötigter vSphere Lizenzen.

Für jede CPU wird eine vSphere Lizenz benötigt. Lizenzkosten lassen sich senken, wenn Hardware mit möglichst kraftvollen CPUs und großem RAM zum Einsatz kommt.

Bei vSphere Platinum gibt es noch eine kleine Besonderheit. Sie enthält eine Service-/SaaS-Komponente, die als Subscription abgerechnet wird. vSphere Platinum ist in etwa vSphere Enterprise Plus inkl. AppDefense vCenter Plug-in (die Dauerlizenzkomponenten, Perpetual License) plus AppDefense SaaS (die Subscription-Komponente). Beim Neukauf sind ein oder drei Jahre AppDefense SaaS enthalten. Für die optionale Verlängerung der AppDefense Subscription werden Renewals angeboten.

Lizenzierung von vCenter Server

Es gibt drei vCenter Editionen. vCenter Server Essentials, vCenter Server Foundation und vCenter Server Standard. vCenter Server Essentials ist in Essentials Kit Bundles enthalten und einzeln nicht erhältlich.

Lizenziert wird pro Instanz. vCenter kann entweder auf einem physikalischen Server oder in einer virtuellen Maschine installiert und ausgeführt werden. Mit vCenter Server Foundation lassen sich bis maximal 4 Hosts und mit vCenter Server Standard bis zu 2.000 Hosts administrieren. In großen virtualisierten Infrastrukturen können mehrere vCenter eingesetzt werden. Jede Instanz erfordert eine Lizenz.

  • vCenter Server wird pro Instanz lizenziert.
  • Kann auf physikalischen und virtuellen Maschinen installiert werden.
  • vCenter Server Essentials ist in Essentials Kits enthalten und einzeln nicht verfügbar.
  • vCenter Server Foundation kann bis zu 4 ESXi Hosts verwalten.
  • vCenter Server Standard kann bis zu 2.000 ESXi Hosts verwalten.

vCenter Server Appliance ist keine neue Lizenz, sondern eine alternative Deployment-/Installationsmethode. Die Appliance ist eine Linux VM mit vorinstalliertem vCenter. Ohne großen Installationsaufwand kann die VM out-of-the-box auf einem ESXi Hypervisor ausgeführt werden. Die Appliance und traditionelle Installationsprogramme werden per Download bereitgestellt.

Lizenzierung von vSphere 6 Essentials Kits

Kommen wir zu den Bundles (vSphere und vCenter in einem Paket) und beginnen mit den beiden kleinsten und preiswertesten Editionen, den vSphere Essentials Kits. Sie sind für kleinere Firmen und Organisationen gedacht, die mehrere physikalische Server auf maximal drei vSphere Hosts konsolidieren möchten. Die Bundles enthalten ESXi Hypervisor und vCenter Server Essentials.

Essentials Kits sind untrennbare Lizenz-Bundles. Es dürfen maximal drei Server genutzt werden, die jeweils mit zwei CPUs ausgestattet sind. Der enthaltene vCenter Server Essentials darf nur zur Verwaltung der drei Server aus dem Kit verwendet werden. Anders herum dürfen die drei vSphere Host auch nur genau von diesem einen vCenter Server Essentials administriert werden. Pro Firma/Organisation ist nur ein Essentials Kit zulässig.

  • Geschlossene, nicht erweiterbare, funktionale und lizenzrechtliche Einheit.
  • Updates/Tradeups auf Acceleration Kits möglich.
  • 1 Essentials Kit pro Unternehmen/Organisation.
  • 1 vCenter Server Essentials.
  • Maximal 3 vSphere Hosts.
  • Maximal 2 CPU je vSphere Host.

vSphere Essentials Kits sind preiswerte Alternativen zu den anderen vSphere Editionen. Prüfen Sie, ob die Funktionalität ausreicht. Die Kits können zwar nicht erweitert werden, sind aber „tradeup-fähig“, falls Ihre Anforderungen steigen.

Lizenzierung von vSphere 6 Acceleration Kits

Acceleration Kits sind ebenfalls Bundles, die vSphere und vCenter in einem Paket enthalten. Im Gegensatz zu den Komponenten der Essentials Kits ist ein Acceleration Kit keine geschlossene Lizenzeinheit. Die Bestandteile werden wie einzelne Lizenzen behandelt. Beispielsweise enthält das vSphere Standard Acceleration Kit

Acceleration Kits können beliebig erweitert werden. Benötigt man zusätzliche vSphere Hosts oder vCenter Instanzen, kauft man einfach vSphere- respektive vCenter-Einzellizenzen nach. Der Kauf weiterer Acceleration Kits ist jedoch nicht möglich. VMware gestattet nur ein Acceleration Kit pro Kunde.

  • Preis-Bundle bestehend aus 6 x vSphere und 1 x vCenter Server Standard.
  • vSphere Standard Acceleration Kit enthält 6 x vSphere Standard.
  • vSphere Enterprise Plus Acceleration Kit enthält 6 x vSphere Enterprise Plus.
  • Nur ein Acceleration Kit pro Kunde möglich.
  • Keine Unterschiede gegenüber den Einzellizenzen, jedoch etwas günstiger im Einkauf.

Wenn Sie noch kein Acceleration Kit gekauft haben und mindestens (weitere) sechs vSphere CPU-Lizenzen und einen vCenter Server benötigen, dann bestellen Sie das Kit und nicht die einzelnen Lizenzen. Das ist günstiger.

Lizenzierung von vSphere 6 ROBO

Eine oft übersehene Lizenzierungsalternative ist vSphere Remote Office Branch Office (ROBO). Wenn ROBO passt, lässt sich viel Geld sparen. ROBO „passt“ üblicherweise, wenn in Filialen oder Niederlassungen eigene Server stehen. Beispielsweise File- und Printserver, Warenwirtschaftssysteme, Lagerverwaltung etc. Im Idealfall werden diese Server virtualisiert (konsolidiert) und zentral über vCenter von der Zentrale aus gesteuert und überwacht. Ohne ROBO müssten für jede Niederlassung vSphere Einzellizenzen gekauft werden. Mit CPU-Lizenzierung kann das bei heute üblichen Zwei- und Vierwege-Servern schnell ins Geld gehen. 2.500 Euro nur für vSphere Lizenzen sind schnell zusammen. Kommen zwei Hosts zum Einsatz (Redundanz, HA) ist es das Doppelte.

ROBO wird nach virtuellen Maschinen und nicht nach Server oder CPU lizenziert. Eine ROBO-Lizenz berechtigt zur Ausführung von 25 virtuellen Maschinen, egal wie sich die VMs auf Filialen und auf ESXi Hosts verteilen. Angenommen Sie haben pro Filiale einen Server, ausgestattet mit 2 CPU. Auf dem Server läuft die Lagerverwaltung und ein File-/Printserver in jeweils einer eigenen VM. Ohne ROBO wären pro Filiale zwei vSphere- Lizenzen nötig. Bei 10 Filialen also 20 vSphere-Lizenzen. Mit ROBO wird es deutlich günstiger. Eine ROBO-Lizenz reicht aus und es bleibt noch Luft für 5 weitere VMs. Eine ROBO-Lizenz berechtigt zu Ausführung von 25 virtuellen Maschinen. In jeder Filiale laufen zwei virtuelle Maschinen, also insgesamt 20 bei 10 Filialen.

ROBO darf jedoch nur in Niederlassungen und Filialen eingesetzt werden. Es ist nicht erlaubt, ROBO im Rechenzentrum der Zentrale zu verwenden.

  • vSphere ROBO darf nur in Niederlassungen, Außenstellen und Filialen eingesetzt werden.
  • vSphere ROBO darf nicht im Rechenzentrum der Zentrale eingesetzt werden.
  • vSphere ROBO berechtigt zur Ausführung von 25 virtuellen Maschinen auf bis zu 25 vSphere Hosts.
  • Hardware (CPU, RAM etc.) werden bei der Lizenzierung nicht betrachtet.

Wenn Sie Niederlassungen oder Filialen mit eigener IT und geringem Virtualisierungsgrad haben, dann ist vSphere ROBO eventuell eine preisgünstige Alternative. Lassen Sie sich genauen Kosten aller Alternativen ausrechnen.

Lizenzierung von vSphere 6 Desktop

vSphere for Desktop ist eine spezielle Edition, die ausschließlich für das Hosting virtueller Desktops genutzt werden darf. Andere Workloads/VMs dürfen nicht ausgeführt werden. Funktional entspricht vSphere Desktop vSphere Enterprise Plus. Lizenziert wird pro aktivem (angeschaltetem, powerd on) virtuellem Desktop. Angeboten wird vSphere Desktop in 10er und 100er Paketen. Kleinere Einheiten stehen nicht zur Verfügung. Einzelne vSphere for Desktop Lizenzen werden benötigt, wenn man VDI mit Third Party Lösungen umsetzt. In den hauseigenen VMware Horizon Suites ist vSphere Desktop bereits enthalten.

Die Lizenzierung von VDI-Infrastrukturen ist nicht ganz einfach. Denken Sie dabei auch an Microsoft Windows und Applikationen anderer Anbieter. Wir helfen Ihnen herstellerübergreifend im Team bei der Beantwortung von VDI-Lizenzierungsfragen.

ESXi Lizenzen

VMware ESXi ist ein Bare Metal Hypervisor, der in allen vSphere Editionen und Bundles enthalten ist. ESXi wird direkt auf physischer Hardware (Bare Metal) installiert. ESXi muss ebenfalls lizenziert werden (Lizenzbestimmungen müssen beachtet werden), allerdings sind ESXi Lizenzen kostenlos.

vSphere hingegen ist kostenpflichtig und in verschiedenen Editionen und Bundles erhältlich. vSphere bietet zusätzliche Features, die üblicherweise über vCenter konfiguriert und verwaltet werden. ESXi (kostenlos, ohne vSphere) ist nicht über vCenter administrierbar.

Downgrades und Updates

Lassen Sie mich zum Schuss noch ein paar Worte über vSphere Updates und Downgrades verlieren. Beides, also Upgrades und Downgrades erfordern eine aktive SnS (Support Subscription). Daher ist es in den meisten Fällen empfehlenswert, den Support regelmäßig zu verlängern.

Downgrades sind oft erforderlich, wenn man eine bestehende Umgebung erweitern muss. Mit Erscheinen neuer Versionen sind Vorgänger-Versionen nicht mehr verfügbar. Man kann nur aktuelle vSphere-/vCenter-Versionen bestellen, auch wenn man eigentlich eine Vorgängerversion benötigt. In diesen Fällen ist ein Downgrade erforderlich.

Auch Downgrades setzen aktive SnS voraus. Nur dann kann man im My VMware Portal die benötigten Lizenz-Keys downgraden und ältere Software-Versionen herunterladen. Im Portal sind jedoch nur Downgrades auf unterstützte Versionen verfügbar. VMware vSphere 5 wird seit Anfang 2019 nicht mehr unterstützt. Wenn Sie auf vSphere 5 downgraden müssen, dann nehmen Sie mit mir Kontakt auf. Siehe auch How to upgrade license keys in My VMware.

Verlängern Sie regelmäßig ihren vSphere Support (SnS). Nur mit aktiver SnS können Sie up- und downgraden.

Preise aller vSphere Editionen

Auf unseren vSphere Seiten finden Sie weitere Informationen und Preise zu allen Editionen und Bundles. Oder folgen Sie diesen Links:

Ich hoffe, ich konnte mit diesem kleinen Beitrag etwas Licht in das Lizenzdickicht bringen. Und wie Sie sehen, ist es gar nicht so kompliziert. Vielleicht haben Sie auch die eine oder andere Sparmöglichkeit entdeckt. Das wäre natürlich der Hauptgewinn. Und wenn Sie Fragen haben, Fehler entdecken und über unklare Formulierungen stolpern, dann lassen Sie es mich gerne wissen. Unsere Seiten leben von Ihrem Feedback!