IBM Virtualization Capacity (früher Sub Capacity) Lizenzen und VMware

Vor einiger Zeit hat IBM seine Lizenzprogramme modernisiert und den Begriff der Virtualization Capacity Lizenz/Sub Capacity Lizenz eingeführt. Mit den neuen Lizenzierungsregeln hat IBM unserer Meinung nach eine sehr gute, kundenfreundliche Lösung gefunden. Richtig angewandt und in Verbindung mit den richtigen VMware Tools, können Sie Ihre Lizenzkosten signifikant reduzieren. Wie? Das werde ich Ihnen hier aufzeigen. Beginnen wir mit dem grundlegenden Begriff der Processor Value Unit bzw. PVU.

Processor Value Units (PVU)

Vor einigen Jahren hat IBM bei server-basierten Lizenzen den Begriff PVU eingeführt. Davor wurde im x86-er Umfeld jeder physikalische Server mit einer Server-Lizenz lizenziert. Mit der Etablierung von x86-Multiprozessor-Systemen und Multi-Core-Prozessoren hat IBM auf PVUs umgestellt. Heute müssen die CPUs und deren Prozessorkerne gezählt werden und mit einem modellabhängigen Faktor multipliziert werden. Das Ergebnis ist eine Anzahl von PVUs, die statt Serverlizenzen erworben werden müssen. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Schauen wir uns ein Beispiel an: Sie haben einen IBM x3500 Server mit einem Xeon Quad Core 5400 Prozessor bestückt. Jeder Kern wird mit 50 PVUs bewertet. Sie benötigen also 4 * 50 PVU = 200 PVU. Wäre der Server mit 2 CPUs bestückt, dann würden Sie 2 * 4 * 50 PVU = 400 PVU benötigen. IBM stellt im Netz übrigens einen PVU-Kalkulator zur Verfügung. Probieren Sie ihn gerne einmal aus. Siehe auch unseren Glossar-Eintrag zum Begriff PVU.

PVU Lizenzierung in nicht virtualisierter Umgebung

In unserem Beispielszenario gehen wir von einer Lotus Domino/Notes Infrastruktur mit drei Servern aus. Wir betreiben einen Datenbank und Mailserver (Domino Enterprise Server) auf einer IBM x3500 mit 2 Quad Core 5400 CPUs, einen Blackberry Server (basiert auch auf einem Domino Enterprise Server) auf einer IBM x3500 mit 1 Quad Core 5400 CPU und einem reinen Applikationsserver (Utility Server) ebenfalls auf einer IBM x3500 mit einer Quad Core 5400 CPU. Wir benötigen also 600 PVU Enterprise Server und 200 PVU Utility Server. Warum?
  • Datenbank und Mail Server: 2 x 4 x 50 PVU = 400 PVU Domino Enterprise Server
  • Blackberry-Server: 1 x 4 x 50 = 200 PVU Domino Enterprise Server
  • Applikationsserver: 1 x 4 x 50 = 200 PVU Domino Utility Server
Ich möchte hier nicht detailliert auf die Vorteile der Server-Virtualisierung eingehen, jedoch könnte man in diesem Beispiel vermuten, dass die Hardware nicht immer optimal ausgelastet wird. Eine Maßnahme wäre, auf dem Servern weitere Dienste zu installieren. Der kräftige Datenbank- und Mailserver könnte z.B. noch File- und Print-Services übernehmen. Obwohl dem Domino-Dienst dann effektiv weniger Rechnerleistung zur Verfügung stünde, würde sich nichts an den Kosten für die Domino-Lizenzen ändern.

PVU Lizenzierung mit VMware vSphere 4 mit VMotion und DRS

Quasi Industriestandard in modernen IT-Abteilungen und Rechenzentren sind VMware ESX Server mit VMotion und DRS. VMotion/DRS sind Cloude-Computing Komponenten, die es ermöglicht, virtuelle Server von der HW zu entkoppeln und während des Betriebs dynamisch umzuverteilen. Angenommen Sie stellen fest, dass der Applikationsserver aus dem Beispielszenario eine kräftigere HW benötigt, der Datenbank und Mailserver jedoch nicht ausgelastet ist, könnten sie mit VMotion die Ressourcen im laufenden Betrieb dynamisch neu verteilen. Im Klartext: mit ein paar Mausklicks „verschieben“ sie die virtuelle Maschine des Applikationsservers auf den mit zwei CPUs bestückten Server und ziehen von dort die virtuelle Maschine auf den kleineren mit nur einer CPU bestückten Server. Sie sollten an dieser Stelle nun verstehen, dass den Domino-Servern je nach Auslastung oder Lust und Laune des Admins dynamisch mehr oder weniger Ressourcen zugeordnet werden können. Was hat dies nun für Auswirkungen auf die Lizenzierung?

IBM Full Capacity Lizenzierung

Bei der Full Capacity Lizenzierung werden alle Cores (PVUs) eines VMotion/DRS Ressourcen Pools zusammen gerechnet und müssen für jeden Server lizenziert werden. In unserem Falle wären das also 800 PVUs Domino Enterprise Server und 800 PVUs Utility Server. Keine besonders vorteilhafte Variante im zugrunde liegenden Fall. Die Full Capacity Lizenzierung bildet eine Art Lizenzierungsobergrenze. Sie müssen bei IBM in virtuellen Umgebungen niemals mehr als die Physik lizenzieren, egal wie viele virtuelle Maschinen im Einsatz sind. Angenommen Sie hätten einen Server mit einer Quad Core CPU. Das wären 200 PVUs. Angenommen Sie hätten auf dieser HW zwei virtuelle Maschinen laufen, jeder VM hätten Sie zwei Cores zugewiesen und in jeder VM einen Domino Server am Laufen. Hier käme die Obergrenze der Full Capacity Lizenzierung zum Tragen. Sie müssten auch hier lediglich 200 PVUs und nicht 400 PVUs lizenzieren.

IBM Virtualization Capacity /Sub Capacity Lizenzierung

Wie sieht es nun bei der Virtualization Capacity /Sub Capacity Lizenzierung aus? Hier werden die virtuellen Ressourcen lizenziert und zwar bis maximal zur physikalischen HW. Angenommen wir würden die VMs im VMotion/DRS Ressourcen Pool entsprechend unserem Eingangsbeispiel mit virtuellen Ressourcen „bestücken“, dann kämen die gleich Zahlen wie bei der Lizenzierung ohne Virtualisierung heraus. Also 600 PVU Domino Enterprise Server und 200 PVU Domino Utility Server. Die Virtualisierung wurde eingeführt, um die Hardware-Ressourcen besser auszunutzen. In unseren Falle ist bei den Domino-Servern noch „Luft“ und es könnten noch weitere Dienste auf den Servern ausgeführt werden. Wir haben gesehen, dass man so auch ohne Virtualisierung die HW zwar besser ausnutzen kann, jedoch keine Lizenzkosten spart. In VMware-Umgebungen können Sie den virtuellen Maschinen CPUs bzw. Prozessor-Kerne zuweisen. Sie könnten beispielsweise dem Mail-/Datenbank-Server nur vier Kerne zuweisen und dem Blackberry-Server und Applikationsserver nur je zwei Kerne. Dadurch würden Sie Ihre Lizenzkosten halbieren.
  • Datenbank und Mail Server: 4 x 50 PVU = 200 PVU Domino Enterprise Server
  • Blackberry-Server: 2 x 50 = 100 PVU Domino Enterprise Server
  • Applikationsserver: 2 x 50 = 100 PVU Domino Utility Server
Ganz grob geschätzt würden Sie bei diesem Beispiel also 10.000,00 Euro an IBM Lizenzkosten einsparen!

Fazit

Als IT-Verantwortlicher sollten Sie von den Einsparpotentialen durch Einführung von VMware und Anwendung der IBM Virtualization Capacity Lizenzierung wissen. IBM stellt sich hier auf die Seite des Kunden und der Virtualisierungsindustrie und ermöglicht Ihnen die Lizenzkosten zu senken. IBM hat eine einfache, überschaubare und zugleich sehr flexibles Lizenzmetrik geschaffen. Durch die Lizenzierungsobergrenze (maximal muss die Physik lizenziert werden) spart der Kunde bei allen denkbaren Szenarien gegenüber Lizenzmetriken anderer Hersteller wie z.B. Oracle. Sprechen Sie auf jeden Fall mit uns über Ihren konkreten Bedarf. Dieser Artikel enthält Vereinfachungen und kann keinesfalls die Expertise unserer Berater ersetzen
Autor: Software-Express Team |

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