Windows Server 2008 Lizenzierung in virtuellen Umgebungen

Die aktuelle Version ist der der Windows Server 2016

Hinweis: Wenn Sie zusätzliche Windows Server 2012 Lizenzen benötigen, dann können Sie 2016er kaufen und über das Downgrade-Recht eine 2012er Version einsetzen. Dann gelten jedoch die Nutzungsrechte des Windows Server 2016.

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Die korrekte Lizenzierung von virtuellen Umgebungen, die den Microsoft Windows Server einsetzen ist nicht immer einfach. Viele Nutzer haben Fragen zu den unterschiedlichen Versionen des Windows Servers beim Einsatz in virtuellen Umgebungen. Auch bei der Nutzung des Windows Servers in Verbindung mit anderen Virtualisierungslösung, wie beispielsweise VMware, gibt es häufig offene Fragen. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie den Windows Server standardmäßig lizenzieren und welche Virtualisierungs-Szenarien die verschiedenen Windows Server Versionen abdecken und wie Sie diese richtig und kostengünstig lizenzieren.

Die Lizenzierung des Windows Server 2008

Die Windows Server 2008-Lizenzen werden zuerst einem physischen Server „zugewiesen“. Durch die Zuweisung sind Sie berechtigt auf dem lizenzierten (zugewiesenen) Server eine Instanz des Betriebssystems auszuführen. Eine Instanz gilt als ausgeführt, wenn Sie in den Arbeitsspeicher geladen ist und mindestens eine Anweisung ausgeführt wird. Sie dürfen weiterhin beliebig viele Instanzen, auch auf anderen Servern, erstellen und speichern. Diese Instanzen dürfen aber nur auf dem lizenzierten Server ausgeführt werden. Außerdem unterscheidet Microsoft zwischen physischen und virtuellen Betriebssystemumgebungen. Eine physische Betriebssystemumgebung wird direkt auf dem physischen Server ausgeführt. Dazu zählt ebenfalls die Betriebssysteminstanz zur Ausführung und Bereitstellung von Virtualisierungsdiensten, die auf der physischen Hardware ausgeführt wird. Eine virtuelle Betriebssystemumgebung ist eine Instanz des Betriebssystems, die auf einer virtuellen Hardware ausgeführt wird.

Die virtuellen Nutzungsrechte der unterschiedlichen Editionen

Den Windows Server 2008 gibt es in 3 unterschiedlichen Editionen: Standard, Enterprise und Datacenter. Diese beinhalten jeweils eine Lizenz für die Installation des Betriebssystems auf einer physischen Hardware (siehe oben). Neben dieser bekannten Lizenz für einen physischen Host beinhalten die unterschiedlichen Editionen aber auch mindestens eine Lizenz für die Ausführung einer virtuellen Maschine, vorausgesetzt diese wird auf der selben Hardware wie das Betriebssystem installiert.

  • Die Standard Edition enthält eine Lizenz zur Installation des Betriebssystems auf einer virtuellen Maschine
  • Die Enterprise Edition enthält vier Lizenzen zur Installation des Betriebssystems auf virtuellen Maschinen
  • Die Datacenter Edition enthält eine unbegrenzte Anzahl an Lizenzen zur Installation des Betriebssystems auf virtuellen Maschinen

Dadurch können Sie beispielsweise mit einer Enterprise Edition den Windows Server 2008 auf einer physischen Hardware und in 4 virtuellen Maschinen installieren. Dies gilt aber nur, wenn die virtuellen Maschinen auf der lizenzierten physischen Hardware liegen.

Die Lizenzierung mit Virtualisierungslösung von Drittanbietern

Wenn Sie zur Virtualisierung eine andere Lösung als Microsoft Hyper-V einsetzen, erhalten Sie keine Windows Server 2008 Lizenz für den physischen Host. Auf diesem läuft dann beispielsweise ein VMware ESX/ESXi-Server oder ein Citrix XenServer. Sie dürfen aber die Windows Server 2008 Enterprise Edition weiterhin auf 4 virtuellen Maschinen installieren, vorausgesetzt diese liegen auf einem physischen Host. Die Lizenz für die Hardware enfällt in diesem Fall und wird vom jeweiligen Virtualisierungsserver übernommen. Sie dürfen also keine 5 virtuellen Maschinen installieren, anstatt der normalen 4 mit einem physischen Host, auch wenn Sie die physische Lizenz gar nicht benutzen.

Wenn Sie mehr als 4 virtuelle Instanzen des Windows Server 2008 auf einer Hardware einsetzen wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Nachlizenzierung von einzelnen virtuellen Instanzen mit der Standard Edition oder von je 4 virtuellen Instanzen mit der Enterprise Edition
  • Lizenzierung mit der Datacenter Edition, für die Nutzung einer unbegrenzten Anzahl von virtuellen Windows Server 2008-Instanzen auf einem physischen Host. Hier muss für jeden CPU-Sockel eine Lizenz erworben werden

Lizenzierung in Umgebungen mit mehreren physischen Systemen

In heutigen Umgebungen werden häufig komplexere Virtualisierungsumgebungen eingesetzt. Diese unterstützen Funktionen wie High Availability zum automatischen Neustart einer virtuellen Maschine auf einer anderen Hardware oder Verschieben von virtuellen Maschinen auf andere Hardware im laufenden Betrieb (beispielsweise VMware VMotion, Citrix XenMotion oder Live Migration). Physische Server werden auch oft in einem Cluster zusammengefasst. Die virtuellen Maschinen sind somit nicht mehr einer physischen Hardware zurechenbar.

In diesem Fall müssen Sie für jede virtuelle Maschine, die diese Funktionen nutzen soll, ebenfalls eine Lizenz des Windows Server 2008 vorhalten. Wenn Sie beispielsweise 10 virtuelle Maschinen mit Windows Server 2008 Betriebssystem mit der Live Migration-Funktion von einem physischen Virtualisierungsserver auf einen anderen umziehen möchten, benötigen Sie 10 Lizenzen sowohl für den Quell- als auch für den Zielserver. Das heißt Sie benötigen insgesamt 20 Lizenzen für eine korrekte Lizenzierung.

Dies gilt auch für eine Clusterumgebung mit mehreren physischen Hosts. Wenn Sie beispielsweise 10 phyiskalische Server in einer Clusterumgebung betreiben und darauf 10 virtuelle Maschinen mit Windows Server 2008 Betriebssystem einsetzen wollen, benötigen Sie 100 Lizenzen, da die virtuellen Maschinen den Workload auf die 10 Host-Systeme verteilen. Sie benötigen somit für jede einzelne virtuelle Maschine 10 Lizenzen, weil die Windows Server Lizenzen an physische Hosts gebunden sind. Für diese Fälle eignet sich die Datacenter Edition, mit der Sie solche Umgebungen wesentlich günstiger lizenzieren können.

Die Lizenzierung der Windows Server 2008 Datacenter Edition

Die Datacenter Edition wird pro CPU-Sockel lizenziert und bietet dafür eine unbegrenzte Anzahl an virtuellen Maschinen. Wenn Sie eine Clusterumgebung mit 10 physischen Servern (mit jeweils 2 CPU-Sockel) lizenzieren wollen, benötigen Sie 20 Lizenzen der Windows Server 2008 Datacenter Edition für eine unbegrenzte Anzahl virtueller Maschinen. Diese Lizenzform ist in diesem Fall wesentlich günstiger als die oben genannten 200 Lizenzen mit der Standard oder Enterprise Edition.

Der Microsoft Lizenz Kalkulator

Microsoft stellt für die Berechnung der benötigten Lizenzen einen englischen Kalkulator zur Verfügung, mit dem Sie die optimale Lizenzierung Ihrer Virtualisierungsumgebung sicherstellen können.

Wenn Sie weitere Fragen zum Thema haben oder ein Angebot benötigen, beraten wir Sie natürlich auch gerne persönlich.

Autor: Stefan Barth | Veröffentlicht: 23. November 2010 | Aktualisiert: 08. März 2017

Kommentare

1
Liana Bomm |

Hallo,

befinden sich im Lieferumfang von Windows 2008 R2 DataCenter auch zugehörige CALs, wenn ja, wie viele erhält man beim Kauf von Windows 2008 R2 DataCenter?

Mit freundlichen Grüßen,
Liana Bomm


2
Stefan Barth |

Hallo Frau Bomm,

im Lieferumfang des Windows Server Datacenter sind keine Windows Server CALs enthalten. Diese müssen separat erworben werden.

Mit freundlichen Grüßen aus Sindelfingen
Stefan Barth


3
Bünyamin Altun |

Hallo Herr Barth,
ist die Information für Die Lizenzierung mit Virtualisierungslösung von Drittanbietern einer offiziellen Microsoft oder VMware Quelle entnommen und wenn ja welcher Quelle?
Man will sich schließlich im Notfall auf etwas beziehen können.

Mit freundlichen Grüßen

Bünyamin Altun


4
Stefan Barth |

Hallo Herr Altun,

mein Name ist Stefan Barth. Als zertifizierter Lizenzberater helfe ich unseren Kunden bei allen Themen mit Microsoft Software Lizenzen.

Diesen Artikel haben wir (unser Microsoft-Lizenz-Team) geschrieben. Unter anderem wurden folgende Quellen verwendet:

Microsoft Server-Lizenzierung
Microsoft About Licensing

Sie haben Recht, wenn Sie sich nicht ohne weiteres auf Aussagen Dritter verlassen. Letztendlich sind Sie für die Einhaltung der Lizenzbestimmungen verantwortlich und bekommen mit Microsoft Ärger, wenn was nicht stimmt.

Nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf, wenn Sie spezielle Fragen haben oder Hilfe benötigen. Bei komplexen Fällen und größeren Volumen können Sie sich auch über eine kostenpflichtige SAM Beratung absichern. Siehe auch:

SAM – Software Asset Management

Viele Grüße
Stefan Barth


5
Oliver Fuchs |

Hallo,

wir haben hier zwei 4-CPU-HP-Server mit je einer 4-CPU-Windows Server 2008 R2 64bit Datacenter-Lizenz und -DVD. Die wurde damals empfohlen, weil sie günstiger ist, als Standard- und Enterprise-Einzellizenzen. Auf den Hosts ist VMware vSphere 5.1 installiert.

Wir haben keine DVD, mit der wir Enterprise-Installationen machen können. Auf der Datacenter-DVD ist nur Datacenter in vier Ausprägungen vorhanden.

Was hätte mitbestellt werden müssen und muß mit dem am Rechner klebenden Physical- und Virtual Key etwas gemacht werden, um eine Enterprise-Installation lizensieren zu können (Stichwort Downgrade)?

Wir kommen im Moment nicht weiter. Ich habe schon ein Dutzend verschiedene Enterprise-ISOs ausprobiert, von VL bis Eval.
Datacenter über die mitgelieferte DVD ist installierbar, ist aber nicht gewünscht.

MfG. Oliver Fuchs


6
admin |

Hallo Herr Fuchs,

wir warten noch auf Antwort von Microsoft. Sollte bis Mittwoch/Donnerstag hier sein. Ich melde mich wieder an dieser Stelle…

Gruß vom MS-Team.


7
admin |

Hallo Herr Fuchs,

wir haben in unsere Datenbank nachgeforscht, finden Sie jedoch nicht als Kunde. Warum hilft Ihnen denn Ihr Lieferant nicht?

Die OEM-Lizenz ist für gewerbliche Kunden tatsächlich der günstigste Weg den Windows Server Datacenter zu erwerben. Dies bringt bei der Verwendung des Produktes aber auch Nachteile mit sich.

Wenn Sie eine ältere Version oder eine „kleinere“ Edition installieren möchten müssen Datenträger und Lizenzschlüssel bereits über eine Einzellizenz (OEM oder FPP) oder ein Volumenlizenzprogramm (z.B. Open License, Open Value oder Select) vorhanden sein. Manche Hardwarelieferanten bieten auch sogenannte Downgrade Kits an, welche zusammen mit der Lizenz ausgeliefert werden. Hier kostet aber jedes Kit extra. Dieses gilt dann für eine gewählte Version und Edition, d.h. z.B. für Windows Server 2008R2 Enterprise aber nicht für Windows Server 2008 Enterprise. Diese Version ist aber bei Microsoft nicht mehr erhältlich, da Sie schon älter ist.

Wir empfehlen Kunden daher die Erstlizenz eines Serverproduktes als Volumenlizenz zu erwerben. Hier erhalten Sie sowohl den Datenträger als auch den Lizenzschlüssel für Vorversionen und die niedrigeren Editionen die Sie laut den Product Use Rights einsetzen dürfen. In der Regel stehen hier 2 Versionen abwärts alle Editionen zur Verfügung.

Wenn Sie also auch einen Volumenlizenzschlüssel zu Ihrer Windows Server 2008R2 Enterprise-ISO haben dürfen Sie diesen verwenden und die Enterprise Edition damit installieren.

Die beiden mitgelieferten Keys ermöglichen nur die Installation von Windows Server 2008R2 Datacenter. Der Physical-Key lässt hierbei eine Installation, der Virtual-Key beliebig viele Installationen (in der virtuellen Umgebung) des Produktes zu.

Falls kein Lizenzschlüssel für den Windows Server 2008R2 Enterprise vorhanden ist müssten Sie bei Ihren Hardware-Lieferanten anfragen, ob er Ihnen noch das Downgrade Kit verkaufen kann, eine Volumenlizenz neu kaufen oder alle Instanzen in der Datacenter Edition installieren.

Wir stehen Ihnen gerne bei zukünftigen Projekten als Ansprechpartner zu Verfügung um neben dem Preis alle Aspekte der bei der Lizenzbeschaffung zu beleuchten.

Gruß vom MS-Team


8
Achim Heine |

Hallo,

ist es Ihrer Meinung nach empfehlenswert, bzw. überhaupt umsetzbar eine VMWare Cluster aus 3x physikalischem Server mit „gemischten“ Lizenzen zu nutzen? Zwei Server werden mit der Datacenter Edition des Windows-Servers ausgestattet und der dritte Host soll mit Einzellizenzen ausgestattet werden. Im gesamten Cluster (3x phys. Hosts) sollen VMs verschoben werden können (nicht nur alle 90 Tage).
Es geht um das Szenario wenn man noch einige Einzellizenzen übrig hat, nach dem man die gesamte IT-Umgebung virtualisiert hat. Welche Probleme könnten bei diesem Mischbetrieb auftreten? Wie nachvollziehbar ist die Zuordnung der Lizenzen überhaupt?

Viele Grüße
Achim Heine