Was ist Hyper-Threading?
Hyper-Threading ist Intels Bezeichnung für Simultaneous Multi-Threading (SMT). Die Technologie ermöglicht es einem physischen Prozessorkern, zwei oder mehr Threads parallel auszuführen. Das Betriebssystem sieht dadurch mehr logische Prozessoren als physische Cores vorhanden sind.
Bei aktuellen Server-Prozessoren gilt:
- Intel Xeon: 2 Threads pro Core (Hyper-Threading)
- AMD EPYC: 2 Threads pro Core (SMT)
Ein Server mit 16 physischen Cores zeigt bei aktiviertem Hyper-Threading 32 logische Prozessoren an.
Relevanz für die Lizenzierung
Laut Microsoft Licensing Guidance beeinflusst Hyper-Threading den Lizenzbedarf bei physischen Servern nicht. Microsoft lizenziert nach physischen Cores, nicht nach Hardware-Threads. Das gilt für Produkte mit Core-basierter Lizenzierung wie:
- SQL Server
- Windows Server
- BizTalk Server
Beispiel: SQL Server
Ein physischer Server mit 2 Prozessoren à 8 Cores:
| Hyper-Threading | Logische Prozessoren | Benötigte Core-Lizenzen |
|---|---|---|
| Deaktiviert | 16 | 16 |
| Aktiviert | 32 | 16 |
Die Lizenzierung basiert auf den 16 physischen Cores, nicht auf den logischen Prozessoren.
Editions-Limits
Die Limits der Standard Edition (32 Cores für SQL Server, 16 Cores für Windows Server Standard) beziehen sich ebenfalls auf physische Cores. Mit Hyper-Threading können Sie die volle Performance dieser physischen Cores nutzen, ohne zusätzliche Lizenzen zu benötigen.
Warum die Verwirrung?
Die Verwechslung von physischen und logischen Cores führt oft zu Missverständnissen:
- Das Betriebssystem zeigt logische Prozessoren an (z.B. 32 bei 16 physischen Cores mit HT)
- Manche Virtualisierungsplattformen sprechen von "vCPUs", die logischen Prozessoren entsprechen
- Ältere Dokumentationen waren teilweise unklar formuliert
Die offiziellen Lizenzierungsguides bestätigen, dass Hyper-Threading die Anzahl der erforderlichen Core-Lizenzen bei physischen Servern nicht beeinflusst.
Virtuelle Maschinen
Bei virtuellen Maschinen hängt die Regel davon ab, ob Sie einzelne VMs oder den gesamten Host lizenzieren.
VM-Lizenzierung
Wenn Sie einzelne VMs lizenzieren (mit Software Assurance oder CSP-Subscription), müssen Sie laut Microsoft Product Terms jeden Hardware-Thread zählen, auf den ein virtueller Core gemappt ist:
"If any Virtual Core is at any time mapped to more than one Hardware Thread, Customer needs a License for each Hardware Thread to which it is mapped."
Konkretes Beispiel: Ein HPE ProLiant DL380 Gen11 mit zwei Intel Xeon Gold 6526Y (je 16 Cores) hat 32 physische Cores. Mit aktiviertem Hyper-Threading sieht der Hypervisor 64 logische Prozessoren. Sie lizenzieren eine einzelne VM mit 8 vCPUs. Ist der Host überprovisioniert und mappt der Hypervisor diese 8 vCPUs auf je 2 Hardware-Threads, benötigen Sie 16 Core-Lizenzen für diese VM statt 8.
Host-Lizenzierung
Lizenzieren Sie den gesamten Host, zählen nur die physischen Cores. Im Beispiel oben wären das 32 Core-Lizenzen für den Host. Die Hardware-Thread-Regel gilt dann nicht, da Sie nicht einzelne VMs lizenzieren.
Wann passiert das Mapping?
Das Mapping von vCPUs auf Hardware-Threads geschieht typischerweise, wenn ein Host überprovisioniert ist. Ein Beispiel: Der Host hat 32 physische Cores (64 logische Prozessoren mit HT). Wenn die VMs zusammen mehr als 32 vCPUs nutzen, müssen einige vCPUs auf Hardware-Threads statt auf physische Cores laufen. Nicht jeder Hypervisor mappt vCPUs automatisch auf mehrere Threads. Prüfen Sie die Konfiguration Ihrer Virtualisierungsplattform.