OEM-Lizenzierung
OEM steht für Original Equipment Manufacturer. OEM-Lizenzen sind laut Microsofts Lizenzbedingungen an die Hardware gebunden, auf der sie zuerst installiert werden. OEM-Software kann vorinstalliert auf einem neuen Computer kommen oder separat erworben und selbst installiert werden.
OEM, DSP und SB
Im Handel begegnen Ihnen drei Bezeichnungen für dasselbe Produkt:
- OEM ist der Lizenztyp: an Hardware gebunden.
- DSP (Delivery Service Partner) beschreibt den Vertriebsweg. Microsoft verkauft OEM-Lizenzen über Distributoren (die „Delivery Service Partner") an Fachhändler und Systemhäuser.
- SB (System Builder) bezeichnet den ursprünglich vorgesehenen Käufer: Unternehmen, die PCs zusammenbauen oder konfigurieren.
Die Lizenzrechte sind in allen drei Fällen identisch. Als Lizenznachweis gilt der COA-Sticker oder die Rechnung des autorisierten Partners.
Sonderformen
Direct OEM bezeichnet Software, die von großen Herstellern wie Dell, HP oder Lenovo auf ihren Geräten vorinstalliert wird. Der Produktschlüssel ist in die Firmware (UEFI) des Geräts eingebettet. Diese Lizenzen sind an das konkrete Gerät gebunden und werden nicht separat verkauft.
ROK (Reseller Option Kit) ist ein eigenständiges OEM-Produkt mit eigenen SKUs, ausschließlich für Serverprodukte wie Windows Server und SQL Server. ROK-Lizenzen werden über Serverhersteller vertrieben und bieten häufig den günstigsten Preis für Server-Lizenzen. Mehr dazu auf unserer Seite Windows Server OEM und ROK.
Hardware-Bindung und separater Erwerb
OEM-Lizenzen dürfen in Deutschland auch ohne gebündelte Hardware separat erworben und bestehender Hardware zugewiesen werden. Grundlage ist das BGH-Urteil zur Erschöpfung des Verbreitungsrechts (I ZR 244/97). Die Bindung an die Hardware entsteht erst bei der Installation.
Nach der Installation ist die Lizenz an die Hardware gebunden, auf der sie zuerst installiert wurde. Ein Mainboard-Tausch (außer im Garantiefall mit identischem Modell) bedeutet laut Microsoft ein „neues Gerät", für das eine neue Lizenz erforderlich ist. Eine Übertragung auf andere Hardware ist nicht vorgesehen.
Der separate Erwerb gilt nicht für BIOS-gebundene Direct-OEM-Lizenzen (Dell, HP, Lenovo), da diese nicht separat gehandelt werden.
Microsoft möchte den Vertrieb von günstigeren OEM-Lizenzen an Endkunden verbieten. Das gelingt in Deutschland jedoch nicht. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahre 2000 ist die Weiterverbreitung von Software „aufgrund der eingetretenen Erschöpfung des urheberrechtlichen Verbreitungsrechts ungeachtet einer inhaltlichen Beschränkung des eingeräumten Nutzungsrechts frei." UrhG § 69c Nr. 3 Satz 2, § 17 Abs. 2, § 32
Rechte bei OEM-Lizenzen
OEM-Lizenzen haben gegenüber Volumenlizenzen eingeschränkte Rechte:
- Keine Volumenaktivierung: OEM-Software muss auf jedem Gerät einzeln aktiviert werden.
- Eingeschränktes Downgrade-Recht: Beim Windows Server und SQL Server darf eine ältere Version eingesetzt werden. Beim Desktop-Betriebssystem Windows darf auf Vorgängerversionen mit aktivem Microsoft-Support downgegradet werden. Eine genaue Übersicht finden Sie in den Microsoft Product Terms .
- Kein Re-Imaging-Recht: Die Installation von einem einzelnen Datenträger auf mehrere Geräte ist nicht erlaubt. Für automatisiertes Deployment ist eine Volumenlizenz erforderlich.
- Eingeschränkte Virtualisierungsrechte: Ausschließlich lokale Virtualisierungsrechte für das Desktop-Betriebssystem Windows und Office-Anwendungen. Beim Einsatz über Terminal Server oder Cloud wird eine VDA-Lizenzierung bzw. Remote Desktop Services benötigt. Die Virtualisierungsrechte beim Windows Server sind dagegen identisch zu den Volumenlizenzen.
Aktivierung und Freischaltung
Keys für OEM-Lizenzen müssen beim Downgrade auf ältere Produktversionen erst von Microsoft freigeschaltet werden. Dazu bietet Microsoft die Möglichkeit, Lizenzschlüssel via E-Mail (tslm@msdirectservices.com) oder telefonisch (0800 - 2848283) freizuschalten.
OEM und Software Assurance (SA)
OEM-Software kann bis zu 90 Tage nach Erwerb mit Software Assurance (SA) nachgerüstet werden. Mit der Nachrüstung wird Ihre OEM-Lizenz in das Volumenlizenz-Programm aufgenommen und Sie erhalten die vollen Rechte einer Volumenlizenz, einschließlich Übertragbarkeit, Upgrade-Rechte, umfassende Downgrade-Rechte und Re-Imaging.
Voraussetzung ist, dass die SA für die Volumenlizenz in derselben Edition und Sprache wie die OEM-Software verfügbar ist. Die Nachrüstung mit SA ist daher nur noch bei den Server-Versionen und CALs möglich. Für das Windows-Betriebssystem (Home und Pro) bietet Microsoft keine SA mehr an. Windows Enterprise ist ausschließlich als Volumenlizenz oder im CSP erhältlich.
OEM-Produkte im Webshop
In unserem Webshop finden Sie eine Auswahl der wichtigsten Microsoft OEM-Produkte:

