Microsoft OEM vs. Volumenlizenz und CSP, ihre Unterschiede, Vorteile und Nachteile

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Microsoft-Software lässt sich über verschiedene Lizenzmodelle beziehen: OEM, DSP, ESD, PKC, Volumenlizenzen oder CSP. Die Modelle unterscheiden sich bei Preis, Flexibilität und Übertragbarkeit. Dieser Vergleich zeigt, welcher Lizenztyp sich für welches Einsatzszenario eignet.

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Microsoft-Lizenzen im Überblick

Microsoft vertreibt seine Software über verschiedene Kanäle, die sich in drei Hauptgruppen einteilen lassen:

  • OEM-Lizenzen (OEM/DSP, ROK) sind an ein bestimmtes Gerät gebunden, können aber auch separat erworben werden.
  • Retail-Lizenzen (ESD, PKC) sind Einzelkauf-Lizenzen, die unabhängig von Hardware erworben werden und auf ein anderes Gerät übertragen werden können.
  • Vertragslösungen (Volumenlizenzen, CSP) richten sich an Unternehmen, die viele Lizenzen zentral verwalten oder als Abonnement beziehen möchten.

OEM-Lizenzen: OEM/DSP und ROK

OEM steht für Original Equipment Manufacturer. OEM-Lizenzen dürfen in Deutschland auch ohne gebündelte Hardware separat erworben werden (BGH I ZR 244/97). Die Bindung an die Hardware entsteht erst bei der Installation. Nach der Installation ist die Lizenz an die Hardware gebunden und nicht auf andere Hardware übertragbar. Mehr dazu auf unserer OEM-Seite.

OEM-Lizenzen können auch separat erworben und selbst installiert werden. Microsofts Lizenzbedingungen für Windows Server 2025 etwa decken ausdrücklich beide Szenarien ab: vorinstallierte Software und Software, die vom Käufer selbst installiert wird.

Im Handel begegnen Ihnen für dasselbe Produkt drei verschiedene Bezeichnungen. Der Grund: Die Begriffe stammen aus unterschiedlichen Stationen der Lieferkette.

  • OEM ist der Lizenztyp: nach Installation an die Hardware gebunden.
  • DSP (Delivery Service Partner) beschreibt den Vertriebsweg. Microsoft verkauft OEM-Lizenzen nicht direkt, sondern über Distributoren (die „Delivery Service Partner"), die sie an Fachhändler und Systemhäuser weiterverkaufen.
  • SB (System Builder) bezeichnet den ursprünglich vorgesehenen Käufer: Unternehmen, die PCs zusammenbauen oder konfigurieren. In der Praxis sind OEM-Lizenzen aber frei verkäuflich.

Ob auf der Verpackung OEM, DSP oder SB steht: Die Lizenzrechte sind identisch.

Davon zu unterscheiden sind zwei Sonderfälle:

Direct OEM betrifft große Hersteller wie Dell, HP oder Lenovo, die Software auf ihren Geräten vorinstallieren. Der Produktschlüssel wird dabei in die Firmware (UEFI) des jeweiligen Geräts eingebettet. Diese Lizenzen sind an das konkrete Gerät gebunden und werden nicht separat verkauft.

ROK (Reseller Option Kit) ist ebenfalls eine OEM-Lizenz, aber ein eigenständiges Produkt mit eigenen SKUs. ROK-Lizenzen gibt es ausschließlich für Serverprodukte wie Windows Server oder SQL Server. Sie werden über Serverhersteller vertrieben und bieten häufig den günstigsten Preis für Server-Lizenzen. Die frühere BIOS-Bindung an bestimmte Serverhersteller wurde ab Windows Server 2016 aufgehoben. Wie OEM/DSP-Lizenzen sind auch ROK-Lizenzen an die Hardware gebunden und nicht übertragbar.

Einschränkung gegenüber Volumenlizenzen: OEM-Lizenzen enthalten kein Re-Imaging-Recht. Die Installation von einem einzelnen Datenträger auf mehrere Geräte ist nicht erlaubt. Für automatisiertes Deployment auf viele Geräte ist eine Volumenlizenz erforderlich.

Für alle OEM-Lizenzen gilt: Innerhalb von 90 Tagen nach dem Kauf kann Software Assurance (SA) nachgerüstet werden. Damit erhält die Lizenz die vollen Rechte einer Volumenlizenz, einschließlich Übertragbarkeit, Downgrade-Rechten und Re-Imaging.

Retail-Lizenzen: ESD und PKC

Retail-Lizenzen sind nicht an Hardware gebunden und können auf ein anderes Gerät übertragen werden. ESD und PKC sind dabei keine eigenen Lizenztypen, sondern Lieferformen derselben Retail-Lizenz:

  • ESD (Electronic Software Distribution): Digitaler Versand per Download und Produktschlüssel. Sofort verfügbar, kein physischer Versand nötig.

  • PKC (Product Key Card): Physische Karte mit Produktschlüssel, ohne Installationsmedien. Die Software wird online heruntergeladen.

Beide Varianten gewähren dieselben Nutzungsrechte. Die Lizenz darf auf ein anderes Gerät übertragen werden, muss dabei aber vom bisherigen Gerät entfernt werden.

Einschränkungen: Retail-Lizenzen (ESD und PKC) dürfen nicht auf Terminalservern oder in Remote-Desktop-Umgebungen eingesetzt werden. Dafür ist eine Volumenlizenz oder ein Microsoft-365-Abonnement erforderlich. Retail-Editionen von Office unterstützen ab Office 2013 keine Verwaltung über Gruppenrichtlinien. Downgrade-Rechte auf ältere Versionen bestehen nicht.

Volumenlizenzen: Open Value und Enterprise Agreement

Volumenlizenzen richten sich an Unternehmen, die viele Lizenzen zentral verwalten möchten. Die Lizenzen sind nicht an Hardware gebunden und können flexibel zugewiesen werden. Software Assurance ist in der Regel enthalten und bietet unter anderem Upgrade-Rechte, Downgrade-Rechte und Lizenzmobilität.

Die wichtigsten Programme:

  • Open Value: Für Unternehmen ab 5 Lizenzen. 3-Jahres-Vertrag mit Software Assurance. Verfügbar als Kauflizenz (perpetual, z. B. für Server) oder als Mietlizenz (Subscription, z. B. für Microsoft 365). Bei Kauflizenzen bleibt das Nutzungsrecht nach Vertragsende erhalten, bei Mietlizenzen endet es mit dem Vertrag.
  • Enterprise Agreement (EA): Für Organisationen ab 500 Nutzern. 3-Jahres-Vertrag mit Software Assurance und den umfassendsten Rechten und Konditionen.

Das frühere Open-License-Programm wurde von Microsoft im Januar 2022 eingestellt. Dauerhafte Lizenzen ohne Volumenlizenzvertrag können seitdem über das CSP-Programm bezogen werden.

CSP: Cloud Solution Provider

CSP ist Microsofts Cloud-basiertes Lizenzierungsmodell, das über einen Microsoft-Partner verwaltet wird. Seit der Umstellung auf die New Commerce Experience (NCE) gelten verbindliche Vertragsbedingungen:

  • Jahresabonnement ist der Standard. Monatliche Laufzeiten sind möglich, kosten aber 20 % mehr. Die Zahlung wird für die gesamte Laufzeit im Voraus fällig.
  • Stornierung und Seat-Reduktion sind nur innerhalb von 7 Tagen nach Vertragsbeginn erlaubt. Danach sind keine Reduzierungen bis zum nächsten Verlängerungstermin möglich.
  • SA-ähnliche Rechte: Software Assurance als Programm ist bei CSP nicht verfügbar. Für Server-Produkte (Windows Server, SQL Server) bieten CSP Subscriptions jedoch vergleichbare Rechte: On-premises-Nutzung, Downgrade-Rechte, Azure Hybrid Benefit und erweiterte Bereitstellungsrechte (Fail-Over, Disaster Recovery, unbegrenzte Virtualisierung). Das Upgrade-Recht auf neue Versionen ist bei on-premises Subscriptions nicht enthalten (weder für Windows Server noch für SQL Server), sondern nur in der Azure Subscription. CSP Dauerlizenzen enthalten ebenfalls kein Upgrade-Recht. Bei Microsoft 365 (USL) stellt sich die Frage nicht: Cloud-Dienste sind immer in der aktuellen Version verfügbar.

Vergleich der Microsoft-Lizenztypen

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eigenschaften der Lizenztypen zusammen:

LizenztypLizenzkanalPreisniveauHardware-BindungÜbertragbarBeispiel
OEM/DSP/SBOEMGünstigJaNein*Windows Server 2025 Standard OEM/DSP
ROKOEMGünstigJaNein*Windows Server 2025 Standard ROK
ESDRetailMittel–HöherNeinJaOffice 2024 Home and Business
PKCRetailMittelNeinJaOffice 2024 Home and Business PKC
VolumenlizenzVLVariabelNeinJaOffice LTSC Professional Plus 2024
CSPCSPFlexibelNeinJaMicrosoft 365 Business Premium

*Darf separat ohne Hardware erworben werden (BGH I ZR 244/97). Nach der Installation an die Hardware gebunden. Gilt nicht für BIOS-gebundene Direct-OEM-Lizenzen (Dell, HP, Lenovo).

Support und Upgrade-Möglichkeiten

Neben den Kosten unterscheiden sich die Lizenztypen auch bei Support und Upgrade-Optionen:

LizenztypSupportDeploymentTypische SzenarienUpgrade-Möglichkeiten
OEM/DSP/SBHändlersupportManuelle Installation, Image-Deployment, Medien im LieferumfangEinzelarbeitsplätze, Serverumgebungen, SystemhäuserSA innerhalb von 90 Tagen nachrüstbar, eingeschränkte Downgrade-Rechte
ROKHerstellersupportServer-Deployment, Virtualisierung, Medien inklusiveServerumgebungen, RechenzentrenSA nachrüstbar, Downgrade-Rechte
ESDMicrosoft Online-SupportDownload-Portal, Remote-InstallationEinzellizenzen, schnelle BereitstellungNeue Version erfordert neue Lizenz, keine Downgrade-Rechte
PKCMicrosoft Online-SupportDownload + Key, Web-AktivierungEinzellizenzen, NachkäufeNeue Version erfordert neue Lizenz, keine Downgrade-Rechte
VolumenlizenzMicrosoft Enterprise-SupportZentrale Verwaltung, automatisiertes DeploymentUnternehmen mit zentraler IT-VerwaltungUpgrade-Rechte über SA, umfassende Downgrade-Rechte
CSPMicrosoft-Support über PartnerAutomatische Updates/UpgradesRemote-Arbeitsplätze, Cloud-UmgebungenImmer aktuelle Version, Downgrade-Rechte über CSP Subscriptions

Besonderheiten bei Downgrade-Rechten und Zweitnutzung

Downgrade-Recht

Microsoft bietet je nach Lizenzmodell unterschiedliche Downgrade-Möglichkeiten. Beim Desktop-Betriebssystem Windows darf mit OEM-Lizenzen auf Vorgängerversionen mit aktivem Microsoft-Support downgegradet werden. In der Praxis ist das auf die jeweils vorherige Version beschränkt, da ältere Versionen aus dem Support fallen. Seit Oktober 2025 hat Windows 10 das Support-Ende erreicht, sodass ein Downgrade von Windows 11 auf Windows 10 nicht mehr sinnvoll ist.

Für Microsoft-Serverprodukte gelten bei Volumenlizenzen umfassende Downgrade-Rechte. Die Product Terms  verwenden die Formulierung „a prior version" ohne zahlenmäßige Begrenzung. Bei OEM/ROK-Versionen ist das Downgrade-Recht in der EULA geregelt und kann an den Support-Lifecycle gebunden sein.

CSP Subscriptions gewähren ebenfalls Downgrade-Rechte auf ältere Versionen während der Vertragslaufzeit.

Retail-Lizenzen (ESD und PKC) gewähren keine Downgrade-Rechte.

Zweitnutzungsrecht

OEM-Lizenzen (einschließlich OEM/DSP und ROK) erlauben keine parallele Nutzung auf mehreren Geräten. Eine Lizenz kann nicht gleichzeitig auf einem Desktop- und einem Laptop-System verwendet werden.

Volumenlizenzen bieten die Möglichkeit, sofern nach Benutzern lizenziert wird, die Software auf mehreren Geräten zu nutzen. Das ermöglicht eine flexible Handhabung für Unternehmen mit wechselnden Arbeitsplätzen.

Falls Sie mit OEM-Lizenzen ein Zweitnutzungsrecht benötigen, können Sie innerhalb von 90 Tagen nach dem Kauf Software Assurance (SA) nachrüsten, um die vollen Volumenlizenz-Rechte zu erhalten.

Retail-Lizenzen erlauben ebenfalls keine parallele Nutzung. Die Lizenz darf jedoch auf ein anderes Gerät übertragen werden.

Welche Lizenz passt zu Ihrem Unternehmen?

Die Wahl der richtigen Lizenz hängt von den Anforderungen und der Unternehmensgröße ab:

  • Neue Hardware-Anschaffungen: OEM/DSP-Lizenzen sind die kostengünstigste Option, wenn die Lizenz dauerhaft auf der Hardware verbleiben soll.

  • Serverumgebungen: ROK-Lizenzen bieten häufig den besten Preis für Windows Server und SQL Server. OEM/DSP-Lizenzen sind eine gleichwertige Alternative.

  • Einzelne Arbeitsplätze ohne Hardware-Bindung: ESD- oder PKC-Lizenzen (Retail) bieten Übertragbarkeit, wenn Hardware häufig gewechselt wird. Für Terminalserver- oder RDS-Umgebungen sind sie nicht geeignet.

  • Unternehmen mit vielen Lizenzen: Volumenlizenzen (Open Value, EA) bieten zentrale Verwaltung, Software Assurance und die umfassendsten Rechte.

  • Flexibler Einstieg ohne Volumenlizenzvertrag: CSP ermöglicht Abonnements ab einer Lizenz und bietet SA-ähnliche Rechte ohne Mindestbestellmenge oder Vertragsbindung über drei Jahre. Auch dauerhafte Lizenzen (z. B. Office LTSC, Windows Server) sind über CSP erhältlich.

Pro & Contra der Lizenztypen

LizenztypVorteileNachteile
OEM/DSP/SBGünstig, Datenträger inklusive, separat erwerbbarNach Installation an Hardware gebunden
ROKGünstigster Preis für Server, HerstellersupportNur für Serverprodukte
ESDSofort verfügbar, übertragbar, kein VersandHöhere Kosten, kein RDS/Terminalserver
PKCÜbertragbar, physischer ProduktschlüsselHöhere Kosten, kein RDS/Terminalserver, erfordert Download
VolumenlizenzSkalierbar, zentral verwaltbar, volle Rechte (SA)Vertragsbindung (3 Jahre), Mindestbestellmenge
CSPFlexible Abrechnung, immer aktuelle Version, SA-ähnliche RechteKeine Seat-Reduktion nach 7 Tagen, kein Upgrade-Recht bei Dauerlizenzen und on-premises Subscriptions

Fazit: Die richtige Microsoft-Lizenz für Ihre IT-Strategie

Die passende Microsoft-Lizenz hängt vom Einsatzszenario ab, nicht nur vom Preis. OEM/DSP-Lizenzen bieten den günstigsten Einstieg für neue Hardware. Retail-Lizenzen (ESD/PKC) sind flexibler, dürfen aber nicht in Terminalserver-Umgebungen eingesetzt werden. Volumenlizenzen und CSP decken die Anforderungen größerer Unternehmen mit zentraler Verwaltung und erweiterten Rechten ab.

Bei Fragen zur richtigen Lizenzierung beraten wir Sie gerne.

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