Lizenzierung nach VM für Windows Server angekündigt

Microsoft hat auf einer Cloud Konferenz mit den europäischen Service Providern eine geänderte Cloud Strategie für Europa vorgestellt. Damit will man noch stärker auf die Einhaltung der europäischen Standards und Regulierungen, wie der DSGV, eingehen. Auch der europäische Support wird verstärkt.

Als wichtigsten Punkt bietet Microsoft, nach anhaltender Kritik an der einseitigen Windows Server Lizenzierung, weitere Optionen für europäische Cloud Solution Provider (CSP). Diese erhalten die Möglichkeit zur Bereitstellung des Windows Servers auf eigener Infrastruktur. Microsoft hat dazu erstmalig eine hardwareunabhängige Lizenzierung für den Windows Server angekündigt: Damit lassen sich einzelne VMs nach vCores lizenzieren. Wir zeigen Ihnen hier, was bisher zur neuen Lizenzierung bekannt ist und was voraussichtlich geändert wird.

Windows Server Lizenzierung

Wie wird bisher lizenziert?

Der Windows Server wird bislang allein aufgrund der physisch vorhandenen Hardware (Cores) lizenziert. Einzelne VMs können nicht lizenziert werden. Virtualisierung ist nur mit einer kompletten Lizenzierung des Hosts möglich. Windows Server Lizenzen sind immer hardwaregebunden und verfügen über keinerlei Lizenzmobilität.

  • Lizenziert wird pro Core.

  • Mindestens 16 Cores pro Server.

  • Alle physischen Kerne des lizenzierten Servers müssen abgedeckt sein.

  • Keine Lizenzmobilität - Der Windows Server ist hardwaregebunden

  • Virtuelle Kerne sind nicht relevant.

  • Virtualisierungsrechte (benötigt vollständige Lizenzierung des Hosts):

Was ändert sich?

We will make it easier than ever to license Windows Server for virtual environments and the cloud by relaxing licensing rules that reflected legacy software licensing practices, where licenses are tied to physical hardware. With the changes we will be making, customers will now be able to buy licenses just for the virtualized compute capacity they need, without needing to count the number of physical cores on which the virtualized environment is hosted.

Quelle: Microsoft Blog

Microsoft kündigt hiermit eine neue Lizenzierungsmöglichkeit an, mit der Server unabhängig von den bisherigen physischen Cores lizenziert werden können. Dabei werden voraussichtlich die vCPU, wie beim SQL Server, lizenziert. Bei SQL Server VMs müssen mindestens 4 Kerne lizenziert werden.

  • Lizenzierung nach einzelnen VMs.
  • Lizenziert werden die virtuellen Kerne.
  • Sonstige Einschränkungen, wie Mindestlizenzierung, sind noch nicht bekannt.
  • Die Lizenzen sind von der Hardware unabhängig, physische Kerne sind irrelevant.
  • Das neue Nutzungsrecht ist vergleichbar mit der Lizenzmobilität mit Software Assurance: Die Lizenz kann zu einem autorisierten Hosting Provider verschoben werden.

Lizenzierungs-Beispiel

Umgebung:

  • Cluster mit 2 physischen Servern
  • 16 Kerne je Server
  • 1x VM (8 vCores): 1x Windows Server Standard
  • 10x VM: Unix/Linux

Aktuelle Lizenzierung:

  • 2x Windows Server 2022 Standard (16 Cores)
  • Für die Virtualisierung der einen VM müssen alle Cores des Hosts (hier Cluster) lizenziert werden
  • Günstigste Lizenzierung via OEM (2x 16 Core Windows Server Standard OEM)

Neue Lizenzierungsmöglichkeit:

  • 1x Windows Server Standard (8 vCores)

  • Neue VM-Lizenzierung über CSP, vermutlich als jährliches Abonnement

  • Voraussichtlich wesentlich günstiger als 2x 16 Core Windows Server Standard Lizenz

    Vorausgesetzt die neue Lizenzierung wird nicht mehr als 8 Kerne benötigen.

Verfügbarkeit

Die neue Lizenzierungsmöglichkeit wird laut Microsoft Ankündigung, nur im Cloud Solution Provider (CSP) Lizenzprogramm angeboten. Da ähnliche Nutzungsrechte, wie bei den Software Assurance Benefits, enthalten sind werden die Lizenzen vermutlich als CSP Abonnement lizenziert. Dies ist bereits beim SQL Server der Fall, in dem die meisten Software Assurance Rechte auch in den CSP Mietlizenzen enthalten sind (siehe: SQL Server). Ob es auch eine CSP Kauflizenz geben wird, ist daher fragwürdig.

Ein genaues Datum für die Veröffentlichung der neuen Lizenzierung hat Microsoft noch nicht bekannt gegeben. Wir gehen davon aus, dass die neue Option frühestens im zweiten Halbjahr 2022 gekauft werden kann.

Microsoft Lizenzmobilität

Lizenzmobilität beim Windows Server

Die bisherige Windows Server Lizenzierung beinhaltet keinerlei Lizenzmobilität. Der Windows Server ist immer an physische Hardware gebunden. Lediglich das Azure Hybrid Benefit ermöglicht den Umzug der Windows-Server Lizenz in die Azure Cloud und die parallele Nutzung (lokal und in der Azure Cloud) für 180 Tage.

Lizenzmobilität bei Anwendungsservern

Normalerweise dürfen Lizenzen für Anwendungsserver (u.a. SQL Server, Exchange, SharePoint) nicht auf einen anderen Server übertragen werden. Microsoft bietet aber, abhängig vom genutzten Lizenzprogramm und dem genutzten Server, unterschiedliche Arten der Lizenzmobilität:

  • Lizenzmobilität innerhalb einer Serverfarm - Mit einer Frist von 90 Tagen (ohne SA). Volumenlizenzen mit Software Assurance und CSP Subscriptions dürfen die Lizenzen ohne Frist verschieben.
  • Lizenzmobilität mit Software Assurance - Bereitstellung des Anwendungs-Servers über einen autorisierten Drittanbieter. Nur in den Volumenlizenzprogrammen (Open Value) verfügbar.
  • Azure Hybrid Benefit - Nur SQL Server (und Windows Server). Für CSP Subscriptions und Volumenlizenzen verfügbar.

Siehe auch: Lizenzmobilität für Microsoft Lizenzen mit Software Assurance