Windows Server 2019 – LTSC und SAC erklärt

Bald erscheint der neue Windows Server 2019. Die mit Windows Server 2016 und Windows Server Version 1709 eingeführten Servicing Channels LTSC und SAC bleiben bestehen. Doch was hat es mit diesen beiden Update- und Versionspfaden genau auf sich? Wie hängen die Versionen zusammen? Wie kommt man von einer Version zur nächsten? Und vor allem, wer sollte LTSC und wer sollte SAC wählen?

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LTSC und SAC verstehen

Wenn Sie heute losziehen und einen Windows Server kaufen, bekommen Sie eine LTSC-Version. Dieses Release- und Update-Modell kennen Sie bereits aus der Vergangenheit. Eine neue Server-Version kommt auf den Markt, man kauft die Lizenz und installiert neu oder aktualisiert einen vorhandenen Windows Server. Während der Support-Phase bzw. bis zum End of Life (EOL) stellt Microsoft regelmäßig Bug Fixes und Security Updates zur Verfügung. Nach einigen Jahren erscheint eine neue Windows Server Version und das Spiel beginnt von vorn. Also alles wie gehabt. So ist es seit über ca. 20 Jahren. Nur heißt das heute eben Long Term Servicing Channel, kurz LTSC.

Kein Grund zur Verwirrung. Bei Windows 10 hieß der Long Term Servicing Channel einmal LTSB. Das steht für Long Term Servicing Branch. Es gilt ganz einfach: LTSC = LTSB

Seit damals hat sich die Welt jedoch einige Tausend Mal weitergedreht. Früher, in den guten alten Zeiten, wurden betriebliche Softwaresysteme spezifiziert, entwickelt, getestet und installiert. Von der Spezifikation bis zur produktiven Nutzung dauerte das üblicherweise Monate bis Jahre. Die eher monolithische Software wurde zuerst auf physikalischen und später verstärkt auf virtuellen Servern betrieben. Änderungsanforderungen durchliefen den gleichen Zyklus. Von der Anforderung bis zur Installation der neuen Version vergingen wiederum Monate bis Jahre.

Auch heute wird Software im Rahmen vergleichbarer Zyklen entwickelt, angepasst und erweitert. Jedoch sind moderne Entwicklungsprozesse flexibler, hochautomatisiert und wesentlich schneller. Von der Anforderung bis zur Produktion vergehen manchmal nur Tage oder Wochen. Moderne Software ist modular und basiert häufig auf Container-Technologien wie Docker und Windows Container. Und genau hier ist auch der Punkt gekommen, an dem LTSC an Grenzen stößt. Innovationszyklen von mehreren Jahren sind einfach zu lang. Entwickler und DevOps brauchen neue Features im Applikationsserver zeitnah.

Es wurde Zeit etwas zu tun. Der Semi-Annual Channel, kurz SAC, wurde geboren. Der SAC stellt jedoch – und jetzt kommts – nicht einfach nur halbjährliche Updates für einen Windows Server 2016 oder 2019 zur Verfügung. Der SAC stellt vielmehr eine komplett neue Windows Server Basis zur Verfügung (einen anderen Branch) und SAC-Updates können nur auf diese Software-Basis angewandt werden. SAC-Updates können nicht in Windows Server 2016 oder 2019 eingespielt werden!

Der Normalfall ist heute LTSC und die (noch) Ausnahme ist SAC. Den Zugang zum LTSC erhält man automatisch durch den Kauf einer Windows Server Lizenz. Beispielsweise über das Volumenlizenzprogramm Microsoft Open License. Für den Zugang zu SAC muss man eine Windows Server Lizenz um Software-Assurance erweitern. SAC erfordert eine aktive SA.

Einsatzszenarien für LTSC- und SAC-Versionen

Windows Server 2016 und 2019 (also LTSC) sind für den Betrieb von traditionellen Systemen und virtualisierten Infrastrukturen vorgesehen. Beispiel für traditionelle Systeme sind Exchange, SQL-Server, SAP, Fileserver, Printserver und Domain Controller. Bei diesen Systemen kommt es auf Kontinuität an. Die Update-Zyklen sind typischerweise lang. Sie Systeme werden, abgesehen von Sicherheitsupdates und Bug Fixes, oft 5 bis 10 Jahre in einer Version betrieben. Manche Print- und Fileserver fristen Ihr Dasein sogar weit über 10 Jahre hinaus, irgendwo in einer verstaubten Ecke im Serverraum.

Windows Server 1803 und 1809 (also SAC) sind für den Betrieb von container-basierten Applikationen und Cloud Apps vorgesehen. Entwickler müssen neue Features zeitnah nutzen können. Das ist im Rahmen von DevOps/Continuous Integration einfach möglich. Der Austausch eines Container Base Images mit Neustart dauert nur Sekunden bis wenige Minuten.

Installationsmöglichkeiten

LTSC-Versionen enthalten alle Installationsmöglichkeiten. Dazu zählt der altbekannte Server mit Windows Desktop, der Core-Server und der Nano-Server. SAC-Versionen enthalten nur die Optionen Server Core für Container Host und Image und Nano Server-Containerimage. Ein vollständiger Windows Server inklusive graphischer Oberfläche ist bei SAC nicht enthalten.

Update und Support

Neue LTSC-Versionen erscheinen alle zwei bis drei Jahre. Beispiele sind der aktuelle Windows Server 2016 und der nächste Windows Server 2019. Mit aktiver SA sind Major Release Updates kostenlos. Ohne SA muss ein komplett neuer Server gekauft werden. Neue SAC-Versionen erscheinen zweimal jährlich. Beispiele sind die Windows Server Versionen 1709, 1803 und die zu erwartende Version 1809. Voraussetzung für die Nutzung des SAC ist eine aktive Software Assurance. Updates sind daher immer kostenlos.

Unterstützt werden LTSC-Versionen ab Release genau 10 Jahre (5 Jahre Mainstream Support und 5 Jahre Extended Support). Während des Mainstream Supports werden einmal monatlich Sicherheitsupdates und Bug Fixes zur Verfügung gestellt. Während des Extended Supports nur noch Security Updates. Feature-Updates gibt es keine. SAC Releases werden dagegen nur 18 Monate unterstützt. Das ist bei DevOps und Container-/Cloud-Apps üblicherweise kein Problem. Wie bei LTSC werden monatliche Sicherheitsupdates und Bug Fixes veröffentlicht. Zusätzlich werden zweimal jährlich Feature-Updates zur Verfügung gestellt. Damit sind im Rahmen von DevOps technologische Verbesserungen zeitnah nutzbar.

Übrigens, es geht nicht verloren. Neue, erfolgreiche Features, die im SAC veröffentlich werden, finden über das nächsten Major Release ihren Weg in den LTSC.

Weitere Informationen

Preise und Informationen finden Sie auf den Seiten zum Windows Server 2016 und Windows Server 2019. Ich fand außerdem die Technet Artikel Windows Server Semi-Annual Channel overview und Servicing Channels Explained hilfreich.

Und last but not least. Ich stehe Ihnen jederzeit bei Fragen oder Wünschen per Telefon oder E-Mail zur Verfügung.